(Ver)navigiert im Unbekannten

Unbekanntes Terrain erforscht sich grundlegend lieber mit einer vorherigen Prüfung der Lage, soweit denn möglich. Meist wird im Vorhinein kurz online und mit Onkel (oder Tante ?) Google die Umgebung in Augenschein genommen oder gar die Route überflogen.

Dem ist es oft nun schließlich zu verdanken, dass wir uns – beinah schon verfahren, doch noch auf den rechten Weg besinnen.

Nun hatte irgendeine Technik-Butze irgendwann einmal die geniale Idee eines Navigations-Systems, wie es heute in vielerlei Fahrzeugen zu finden ist. Von Opa Fritzchens altem Käfer, der das bunte Kästchen per Saugnapf an der Frontscheibe baumeln hat bis hin zu Meister Protzens Sportmobil, in dem es, in der mittleren Konsole ruhend, den Innenraum beleuchtet.

Soweit so gut … und auch ich konnte mich dieser göttlichen Errungenschaft moderner Technologie nicht mehr erwehren, als mir zunehmend bewusst geworden war, wie wenig vorhanden sich mein Orientierungssinn zu präsentieren gedachte. Also nichts wie in den Technologiepark mit Discounter-Preisen für Discounter-Ware und schnell noch das Schnäppchen der Woche abgeräumt, das mir in den folgenden Wochen noch ein Schnippchen schlagen sollte.

Von anfänglichen Erfolgserlebnissen beflügelt und sowohl heil als auch glücklich – ja fast schon punktgenau – angekommen, stand eines Tages dann das Wagnis der doch leicht chaotischeren Städte an. Nicht zu vergleichen sind die ständigen Umbauten, falsche Beschilderungen und Irrwege mit den ruhigen Sträßchen und Wegen der naturverbundenen Landschaften, die ich bisweilen so durchquerte. Frohen Mutes, dank technologischen Wunderwerks an der Frontscheibe, begab ich mich auf eine Fahrt in´s große unbekannte Land der Stadt … weil´s nahe dran war, vorerst Bonn.

So fuhr mein Automobil mich ruhig und trocken durch die Straßen, hin zur Bonner Innenstadt, als selbstbewusst ein “In 100m biegen Sie rechts ab” aus meinem Wegeweisungskasten tönte. Beim Befolgen dieser sicheren und zielgerichteten Aufforderung, schien die freundliche Dame es sich dann doch noch einmal anders zu bedenken. “Route wird neu berechnet” drang schon weniger selbstbewusst an mein Ohr, als gefühlte Stunden (wenn nicht Tage) später ein “Drehen sie wenn möglich um” versuchte mich besänftigend vom Umkehren zu überzeugen.

Nicht ahnend welches Martyrium ich mir selbst auferlegt hatte, in naivem Vertrauen auf jenes technische Wunderwerk, sollte ich nach 2 weiteren Wendemanövern dann doch in eine gut geglaubte Richtung fahren. Einige Kreuzungen passierte ich mit gutem Gefühl, bis mich ein Schild auf das geplante Ziel aufmerksam machen wollte, das meinem Wegeweisungskasten vollkommen unbekannt gewesen schien. Keine Spur vom oft gehörten “Biegen Sie links ab” – und schon war ich daran vorbei.

Aber, das sollte noch ein Nachspiel haben. “Drehen Sie wenn möglich um” gängelte mich erneut die Frauenstimme, die sich anhört wie die Durchsagerin im Kaufhaus. “Nun gut”, dachte ich, drehte wieder einmal um und fuhr in die entgegengesetzte Richtung – das Ziel fast schon zum greifen nahe.

Letztendlich war das “Biegen Sie rechts ab” dass nach nur wenigen Metern folgte, wahrhaftig die Weisung zum richtigen Weg, so dass ein erleichterndes “Sie haben Ihr Ziel erreicht” den Ausstieg aus dem Automobil und den Einstieg in einen gelungenen Abend bedeutete.

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