Deutschland, magst du dich nicht ?
Jedes Jahr, wenn die Weihnachtszeit angebrochen ist und die Menschen von Liebe, Familie und Geborgenheit reden, singen und träumen, sind sie wieder da. Sie, die Spendenaktionen. Im Fernsehen, im Radio und in der Zeitung bitten mehr oder minder prominente Menschen um Spenden für alle Teile dieser Welt.
Erstaunlich … wie wenige um Spenden für Deutschland bitten.

Da frage ich mich, während ich wieder einmal von Spenden für Südafrika in der Zeitung lese, ob wir uns selbst nicht mehr mögen in unserem Heimatland. Was ist mit den Menschen in unseren eigenen Reihen, die uns all zu sehr dankbar wären für ein kleines Bischen Hilfe in der Not ? Können oder wollen wir nicht sehen dass es in unserem eigenen Land immer schneller zu einer Gesellschaft kommt in der der Einzelne kaum noch zähltund jeder für sich und nicht auf sich und andere bedacht ist ?
Natürlich. Es gibt sie, die Menschen die auch in den eigenen Reihen nach den Schwachen schauen, sich sorgsam um sie kümmern und Gutes tun. Vielleicht tue ich all den anderen Unrecht, ich habe keine Zahlen an denen ich meine Meinung messen könnte, aber rein subjektiv – also aus meiner ganz persönlichen Perspektive – empfinde ich es als ungerecht größeres Paket, dass jedes Jahr ins Ausland gespendet wird. Erst langsam halten auch im Fernsehen und anderswo mehr Initiativen aus Deutschland Einzug in Spendenaufrufe. Der Großteil von dem was mir auf meinen Streifzügen durch das Leben an Spendenaufrufen begegnet hat etwas mit Menschen und insbesondere Kindern in den ärmsten Teilen unserer Welt zu tun.
Ist es nicht eine doppelte Moral ? Natürlich spenden die Menschen um sich selbst ein Wenig das Gefühl zu geben Gutes getan und das Soll in der Gesellschaft erfüllt zu haben. Natürlich spenden viele sicherlich einfach dort wo als erstes jemand bei ihnen nachgefragt hat. Aber wenn man sich eine Minute, vielleicht sogar zwei, nimmt und darüber nachdenkt wie viel Leid und Traurigkeit es in unserem eigenen Land gibt, muss man sich dann nicht selbst fragen warum ein verhungerter Mensch auf deutschen Straßen weniger Wert war als ein hungriges Kind in Somalia ?
Ich will nicht jede Hilfe und jede Spende verteufeln die nicht für das eigene Land verwendet wird. Natürlich sind auch Hilfen in Katastrophengebieten notwendig und sinnvoll … aber ist das Verhältnis nicht ein Wenig aus dem Gleichgewicht geraten ?
Sicher fragen nun einige ob ich selbst spende und … ja … ich habe die Spendenaktion von Lidl unterstützt, bei der man am Pfandrückggabeautomaten das Pfandgeld für die Deutsche Tafel spenden konnte.




